VOM HERZSCHLAG

liebe freundinnen und freunde der akustischen kunst,

ein sehr ehrenwerter musiker wurde 70 jahre alt… zurecht ertönen dulciane und zinken der genialen bonner orgel, falls man auf das alter abzielen wollte: es gibt sie zum glück immer noch, diese alten knacker, die viel moderner und gegenwärtiger sind als so manche jugendlichen subkulturen.

der jubilar wolfgang bretschneider ist durchaus bekannt, als musiker, theologe und pädagoge- und zwar in der ganzen welt. generationen von jüngeren menschen öffnete er die türen, und zwar alle, ohne sie daran zu hindern, jeweils ihren eigenen weg zu gehen – und das rockt.

es ist also kein wunder, wenn der alte gefährte, professor und (!!!) lauschende künstler jubelnd gefeiert wird. dies organisierte die thomas morus akademie in besonderer weise:

es war ein theologisches symposion zum thema: vom herzschlag gottes, das gegeben wurde: eine gesamtfeier ohne gegröhle, der geheimen innigkeit bachs und dem choral näher als der übliche tv- trubel.

es ertönten aber auch sehr geistreiche vorträge, *würg: vor- trä -ge ? und  musik.

ja, die vorträge behandelten aktuelles leben: jetztliche fragen,  keine huldiung verschriftlicher grußkonventionen oder blabla weil man halt da ist oder besonders gelehrt…

denn nur wenn mensch wirklich da ist, also mit allen sinnen präsent, kann das wort wirken, das gerade geprochen wird, und nicht als erstarrtes zeichen unser ohr erreicht.

stefan klöckner zeigte das wunder des gregorianischen chorals kurz, aber brisant aktuell: es war kein zufall oder unvermögen, vor ca. 1200 jahren genau so zu singen,  sondern absicht.  ein derart bewußter vorsatz würde musikerInnen heute dringend gut tun, egal, ob sie theologisches behandeln, oder vermeintlich  „nur“ so musizieren …

reiner schuhenn trug vor, was alle musiker und menschen bewegen kann: ist das menschenrecht auf musikalische bildung ( bitte suchen sie mal in den EU-verordnungen nach, das ist sogar einforderbar … ) noch gewährleistet ? wenn in künftig massenhaft etablierten schulformen lediglich 3 % der schülerinnen und schüler ÜBERHAUPT im gesamten weg bis zum abschluß musikunterricht bekommen werden, könnten empfindliche naturen geneigt sein, endlich nachzudenken.

oder soll das was sie gerne hören, künftig aus dem rechner kommen ?

meinrad walter öffnete weitere türen: sein beitrag über olivier messiaen am beispiel der weihnachtsmusik vingt regards lädt ein, sich mit lust und mut und freude allen sogenannten neuen musiken zu widmen: denn die derzeit von jazzmusikern viel beachtete harmonik messiaens beruht auf beidem: tiefer spiritualität und total freier erfindungsgabe.

und sorry: das ist kein marktgängiges kantri und west, oder sörweiwel of se fittest.

es = der mensch heißt olvier messiaen ist immer noch neu. dennoch so alt, wie schwarzweißfilme aus den 20er 30er jahren …

was haben die alles bewegt und riskiert. seht sie alle !

und wenn jemand, der schon vor jahrzehnten zum priester berufen ist, sich wünscht keine disco zu hören, oder die elegante salonmusik der 30er, sondern eine vesper zu feiern, geht das schon voll ok.

da wurden nicht nur gesänge aus alter zeit gesungen, die auch heute noch sinn haben.  auch harmonien verwendet, die schon 70 oder mehr jahre alt sind – ist das neu ?

seltsam, das sopransaxophon ( die bilder zeigen die zubereitung in der edith stein kapelle der akademie ) ist vokal, weltlich, aber auch elektrisch, transduzierend verstärkt…

ach ja: elektrische instrumente gibt es auch schon seit den 1880er jahren. was ist an der verwendung ihrer nachfahren jetzt noch neu ?

vielleicht, wenn der herzschlag der moment ist, in dem schöpfung und einmaliges hören gleichzeitig sind. und das nennt man improvisation.

oder etwa: leben ?

m.e.z.

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