ERINNERN GEHÖRT DAZU – EINE WANNSEE PARTIE

liebe freund*nnen der künste,

morgen ist wieder ein erinnerungstag. nun gut.

hoffentlich nicht vergessen ist die erinnerung an die wannsee- konferenz, in der die vernichtung der europäischen juden in entspannter atmosphäre genauestens geplant wurde.

a. eichmann berichtete bei seinem prozeß in israel, es sei heiter zugegangen, es sei getrunken worden. und viel gelacht.

dank gilt der kunstkirche bochum, an deren orgel aus den 1930ern  musik entstand.  das sopransaxophonsolo bei weiter tönender orgel am beginn des letzten drittel zitiert ganz sicher absichtlich das lied yerushalaim shel zahav, und es läßt uns erschauern.

so mitten beim erinnern. erst recht am grauenhaften ende.

das gehört dazu.

m.e.z.

link zum anhören: https://hearthis.at/markusemanuelzaja/wannsee-partie/

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EIN KALTER TAG IM JANUAR

liebe freund*innen der künste,

ja, gestern war auch mal wieder so ein jahrestag, eine art dauernd verlängerter jahrzeit, den und die kein mentsch mehr kennt.

am 15. januar 1944 wurden etwa 1000 menschen abtransportiert. aus dem KZ mittelbau/dora bei nordhausen im harz, ins vernichtungslager lublin/maidanek.

die sklaven, die bislang am ausbau der tunnelanlage im kohnsteingebirge zur produktion der v2 raketen und anderer neuester militättechnik gearbeitet hatten, waren zu krank für die weitere arbeit. sie wurden nun endgültig vernichtet.

vormals hieß es bei deportationen, meistens von juden, „in den osten abgeschoben“.

in diesem falle war auch marijan zaja mit auf dem transport. ob er lebend in lublin angekommen ist, wissen wir schon nicht mehr. die abfuhr erfolgte zunächst in offenen lastkraftwagen, erst später in waggons. bei winterlichen temperaturen, ohne effekten, also nur in häftlingskleidung.

es gibt hier keine kommandos, etwa „mützen ab zum gebet“ usw.

ich denke nur nach, und erinnere.

m.e.z.

für die hilfe bei der recherche, die 2014 zu der CD 6032 32513 des duos kzrme führte, danken wir:

dr. regine heubaum, dr. harry stein, oskar mehler und dr. jens christian wagner von den gedenkstätten buchenwald und mittelbau-dora.

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EINE WEITERE LISTE UND DOPPELTES JUBILÄUM

liebe freund_innen der künste,

in der mitte der letzten woche war es soweit: seit 25 jahren musizieren guido grospietsch und ich selbst zusammen, mal mehr, mal etwas sparsam – vertrocknet, aber ein vierteljahrhundert ist nun: rum.

die neunziger waren tatsächlich noch einfacher für musikanten, jaja auch waren wir jünger. vorbei !

nicht vorbei ist ein anderes erinnern: vor 75 jahren starteten die deportationen der juden nach dem osten, aus gleis 17 des bahnhofs in berlin grunewald.

die von geflüchteten menschen aus dem westen ( ja auch die hugenotten mußten mal schnell abhauen …) und dem osten herstammenden freunde spielten einige werke in der kunstkirche bochum, genau zum datumstag. mitten im aufbau der neuen ausstellung von christoph lammert. danke für die entspannte situation !

die improvisation für stimme, altsaxophon und klarinette über die liste meiner vorfahren soll aus gründen des gedenkens hörbar sein.

noch ein detail: vor dem beginn der deportationen war die ausreise jüdischer deutscher verboten worden. und warum denn nicht mehr vorher „ausreisten“ ? …

…weil kaum ein zielland diese flüchtlinge aufnehmen wollte.

selber lesen: bericht in der jüdischen allgemeinen

die gedenkmusik hören sie hier:

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ES IST DOCH ETWAS PERSÖNLICHES #update#

liebe freund_innen der künste,

in einem berühmten film, in dem das st. valentinstag massaker dargestellt wird, fragen in der fiktiven spielhandlung die mordschützen die opfer direkt vor der erschießung mit maschinenpistolen:

wollt ihr euch umdrehen ? es ist nichts persönliches.

nun soll mensch ja nicht immer so willkürlich alles miteinander vergleichen. es gibt nämlich besonderheiten, teils einzigartigkeiten.

dazu gehört das massaker von babi jar/babyn yar bei kiew. ab heute vor 75 jahren. ab heute bedeutet: es dauerte nur ca. 2 tage, um über 33.000 menschen aus kiew und umgebung, fast alle jüdisch, zu töten. in den weiteren kriegsjahren wurden vermutlich 100.000 menschen in dieser schlucht ermordet.

es war der erste tag des jahres 5702 nach dem jüdischen kalender. der neujahrstag…

das duo kzrme hat den an sich wunderschönen klang der instrumente verhüllt. so könnte mensch das alles vielleicht aushalten. vielleicht, beim dran denken.

die opfer am beginn des industrialisierten massenmordes sollen nicht vergessen sein. es wird nichts systemisches katastrophales prophezeit, es wird mit den mitteln der musik nach 75 jahren lediglich erinnert, an alle diese menschen, die in der schlucht starben.

und ja, in diesen tagen kurz vor rosh hashanah 5777: es ist etwas persönliches.

m.e.z.

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two lifes – remembering feigel and georg

dear friends of the arts,

the picture, taken in october 2015, shows a certain view to the main entrance door at haidgasse 5, vienna. direction to the street, captured while running downstairs quickly.

remembering feigel zajac (1901 – 1942 ?) and her son georg (1938 – 1942 ?), who have been deported to the transitional KZ izbica on april, 9th, 1942, in the morning, out of that door. killed probably later in the KZ sobibor.

m.e.z.

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DAS AUGE DES BRIELE #update 2

liebe freund_innen der künste,

so augen fallen ja zum glück selten einfach so raus, und daher ist es nur zu gut, wenn ein auge mal den besonderen blick hat.

tom briele hat das, er filmt, er sieht, er macht bewegte bilder.

lebendige bilder, hieß es mal so vor hundert jahren, oder so. und heute sogar alles in bunt !

also: tom ist kein unbekannter, und mit bei beim projekt mijn levenreis. er filmt alles. einiges gibts schon zu sehn.

demnächst mehr…

m.e.z.

NEUES AUS WIEN

liebe freund_innen der künste,

das projekt mijn levensreis geht tatsächlich weiter. die spurensuche ist etwas kompliziert, aber in den zeiten der beginnenden vernetzung digitaler datenbanken aussichtsreich.

die bearbeitung der in wien gefundenen sachen und der vielen stunden film – und tonmaterial kommt voran. hier ein beispiel, aus der haidgasse 5, dem letzten wohnort von feigel und georg zajac 1942. gesehen und im bilde festgehalten von tom briele, dem brillianten doumentarfilmer.

hier ein erstes tonbeispiel: feigel 1

bald mehr.

m.e.z.

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