KAISERDOM zu SPEYER BIG BROTHER´s VIEW

liebe freundinnen und freunde der akustischen kunst,

wenn man einen big brother, also einen großen bruder hat, kann das auch vorteile haben !

in meinem falle heißt der: benedikt  zaja und ist photograph. enkelschüler von otto steinert, der die folkwang schule mit prägte.

die fottos aus der digitalen mini quetsche sind natürlich nicht des lichtbildners technischer traum, sondern eher ein alptraum: keine manuelle einstellung, die schnell genug wäre dank unsichtbarer minitasten – falls überhaupt vorhanden – und es wurde zudem auf das anblitzen mit dem „traktorstrahl“ , also der infraroten entfernungsmessung verzichtet.

der große bruder denkt eben doch mit: trifft den wandernden musiker so ein strahl ins auge, ist das zwar optisch sensationell, für die konzentration aber desaströs ! big brother = guter mann ! ( in diesem falle ) …

allenfalls ahnbar ist die wirkung des konzertes in diesem riesigen raum.

aber alles tontechnische gedingse ist angesichts des gigantischen objektes und der themen, die da behandelt werden vergeblich- ja:  schön klingt es, aber das geschehen war doch von ganz anderer art.

gehen sie mal in den dom, wenn sie in speyer sind – die SCS ist da öfter zu hören – und vielleicht hören und sehen wir uns da ja …

mit akustischen grüßen,

m.e.z.

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KAISERDOM zu SPEYER INTERNATIONALE MUSIKTAGE SPEYER 2010

liebe freundinnen und freunde der akustischen kunst,

schon vorbei ist das atembaraubende konzert im dom zu speyer.

im jahre des 950 jährigen weihejubiläums, mitten im neubau der gigantischen hauptorgel, erklang ein feiner dialog zwischen den fast tausendjährigen gesängen des gregorianischen chorals und einem modernen einstimmigen instrument, dem saxophon. eigentlich waren es zwei: ein gerades sopransaxophon, und ein gebogenes, mit jeweils gänzlich unterschiedlicher klangabstrahlung in einem raum von vielen zig metern höhe und hundert++ metern länge: der aber immer harmonisch, unangeberisch und auch der menschen würde gemäß wirkt.

hier gibts mehr über die uralte domkirche der epocher der salier, die europa maßgeblich prägte.

SCS – hä ? SCHOLA CANTORUM SLALISIENSIS heißen die kollegen, die den gregorianischen choral sangen – im konzert : und in der liturgie oft singen.

singen männer sensibel ? ohne heulsusen- syndrom ? ja. im speyerer dom. und anderswo auch.

dazu 1 – nein 2 sopransaxophone- und keine goldene klarinette, beides sind versilberte instrumente.

dazu vor allem der ungeheure raum: vergessen sie die photos, fahren sie selber hin : der ort ist für jede kameralinse grundsätzlich zu groß. das gilt auch für den klang:  riesige räume, zeiten, seltsame mischungen aus alt und neu, alles in einer gegenwärtigen kirche, atemlos gespanntes publikum, und gemeinsame große entspannung im applaus und einer einzigen zugabe.

dabei wurde nicht rumgenudelt: saxophon kann auch unpentatonisch, archaisch gestimt und dennoch – mit der schola – harmonisch sein, die alten kirchentonarten sind eh viel farbenreicher als die neuzeitlichen 2-5-1 klischees einer industriellen harmonik.

und genau das tat allen gut.

der einsatz eines deformiert schallenden mirtigen gitarrenverstärkers verfremdete den saxophonklang auf charmante weise:  der technoide klang kam nicht direkt wieder zu den hörenden zurück, sondern über die gigantischen seitenschiffe, die wie ein hörrohr wirkten. wie ein kuttern, oder ein zirpen unbekannter lebensformen …

nicht jede/r hat an seinem sitzplatz immer alles vollständig  gehört. es war ganz persönlich, und jede erinnerung ist nicht dokumentierbar. auch  die aufnahme zeigt das ereignis lediglich aus einer einzigen position heraus : es waren aber hunderte einzelne, die den dialog der zeitalter erlebt haben.

einzeln, anders, gemeinsam – kirche ? kunst ? 2010 ? oder vor 950 jahren … ?

da geht was. so heißt das im neusprech.

in der bilderfolge sehen sie die annäherung and den ort: mitten im historischen ortskern gesehen wirkt der dom dezent klein: da fehlen aber noch 500 meter. die üblichen kameras haben da probleme mit den bildformaten : zu groß, zu weit weg, schrottige schärfe.  pörsktöwwe !

schockienrend auch der blick  ins seitenschiff, könnte auch ne werft sein für dreimaster, aber dennoch, menschen fühlen sich im dom zu speyer vielleicht überrascht von der größe, aber niemals klein, zurückgesetzt oder weniger wert.

es ist so, als wäre das wichtige in die steine eingbaut worden …

… und als ob es unentwegt zum singen und spielen, zu ostern gar zum tanzen riefe …

mit akustischen grüßen,

m.e.z.