DAS PIETA PROJEKT – GETRAGEN IM LEID # der abend

liebe freundinnen und freunde der akustischen kunst,

die lange nacht der offenen kirchen in aachen ist zuende, die kollegen bauen die pieta wieder ab … die klangutensilien sind verpackt, die regengüsse des späteren abends sind erfolgreich getrocknet.

das war ein ganz besonderer abend. einige bilder lassen womöglich erahnen, was für tiefste emotionen bewegt wurden, die persönlichen eindrücke sind derart intim , daß man eigentlich nicht darüber berichten muß.

trotz sehr regen besuches der fast 7000 umherwndelnden beschenkten sich die menschen mit großer ruhe, gründlichem horchen – also keineswegs aufgesetzter scheinheiliger un- andacht. es bestand die möglichkeit, gedanken auf zettel zu schreiben und sie in die kiste vor dem altar zu legen – nach einigen stunden war die kiste voll.

es wurden allertiefste emotionen geoffenbart, die in der pieta selbst einen dauerhaften platz finden werden.

der lustige elektrische effekt beim saxophonsolo erwies sich als positiver schock: der klang wurde ähnlich verändert wie das holz der plastik.

wunden, verkohlung, absplitterung – und gelegentlich der klare ton eines sopransaxophons mit historischem mundstück: vokal, nicht sägend, ungeheuer schwer. antike tonarten, sehr großer raum, und das verschwinden des normalen zeitgefühls.

also endlich zeit für wichtiges.

mit akustischen grüßen,

m.e.z.


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DAS PIETA PROJEKT – GETRAGEN IM LEID # der vorabend

liebe freundinnen und freunde der akustischen kunst,

die probe und pressepräsentation zum pieta projekt von stefan w. knor ist am gestrigen abend im nebeligen aachen mit großer ruhe in die welt gegangen.

ja, es gibt interessenten für derlei sakrale kunst der gegenwart. und das ist nicht nur auch gut so : entschuldigung – das tut gut.

noch ohne strömendes publilkum konnten einige gäste und zufällige besucher in der aachener kirche st. foillan ( direkt beim DOM ) unvergeßliche momente erleben, ein fast leere kirche in der die modernste plastische madonnendarstellung der gegenwart frei über dem boden schwebt – sicherlich mit dezent sichtbaren tragehlfen, denn wir sind ja noch alle hier der erdenschwerkraft unterworfen.

das ginge aber auch anders : stefan w. knor zeigt in seiner plastik “ getragen im leid “ nicht weniger oder mehr als das wunder der mutter christi.

in form einer verkohlten ruine einer religiösen figurendarstellung, die durch die vergoldung und die positionierung vor dem altar der kirche alles ist, nur kein kitsch.

sollte es nach krisen und wahn eine bedeutung hinter diesen symbolen geben – hier beginnt etwas altes – wieder einmal – ganz neu.

die musik mit einem einzigen sopransaxophon wird sich ausführlich diesem klima widmen. kein zufall ist, daß die improvisationen über die antiphon “ deus deus meus, ad te luce vigilo “ ebenso intim wie krass ausfallen werden : das im hintergrund morphende klangsystem wird einige töne sehr bizarr verändern – als sei der ultraklare saxophonklang ebenfalls durch feuer gegangen.

oder als hätten zuhörende ihr innerstes offen – aber nicht zur schau gestellt – erlebt : in die kiste vor dem altar kommen handgeschriebene gedanken und bitten der besucher  hinein, die dann im inneren der pieta ( die hinten eine höhlung hat ) gelagert werden.

wir werden sehen und hören, wie die lange nacht durchwacht wird …

mit akustischen grüßen,

m.e.z.

lange nacht offenen kirchen 01. oktober 2010 st. foillan aachen

liebe freundinnen und freunde der akustischen kunst,

am 1. oktober ist wieder so eine nacht. und zwar eine ganz lange: in der aachener kirche st. foillan wird es eine besonderheit geben: stefan w. knor wird das pieta- projekt vorstellen , das zaja´sche instrument wird sich dezidiert an prominenter stelle dazu äußern.

pieta projekt ?

knorr fand vor eniger zeit anderswo eine darstellung der pieta, lebensgroß, heute würde man sagen einen versicherungsschaden: nicht daß es möglich wäre, den tod des sohnes zu versichern, nein, ganz irdisch: die skulptur hatte einen fetten brandschaden, alles verkohlt, weg damit – eben nicht.

knor arbeitet derzeit daran, diese skulptur dem vergessen zu entreißen, ihr ihre zeitgemäße würde wiederzugeben, wenn alles fertig ist, wird die pieta ( ein original von balthasar schmitt aus dem frühen 20. jh. ) an verschiedenen orten zu sehen sein und dazwischen in st. thomas in trier ( übrigens roma secunda… ) eine neue heimat finden.

die für die abnahme einer kopie aufgebrachten modelliermassen werden entfernt, einige teile erhalten in diesen tagen eine vergoldung.  der verkohlte zustand bleibt erhalten.

erste bilder vermögen vielleicht einen eindruck von dieser plötzlich so gegenwärtigen pieta zu geben…

kollege jürgen gaidzik hat das ganze projekt ausführlichst photographiert – danke für einige bilder aus seinem auge.

feinste klänge gesellen sich dazu : gebogenes sopransaxophon, mit einem umgearbeiteten mundstück aus dem hause rascher, das den originalen klang der saxophone wiederbelebt.

für so gründlichen tobak ist eine lange nacht genau lang genug.

mit akustischen grüßen,

m.e.z.

freier eintritt in der gesamten nacht überall