ERINNERN GEHÖRT DAZU – EINE WANNSEE PARTIE

liebe freund*nnen der künste,

morgen ist wieder ein erinnerungstag. nun gut.

hoffentlich nicht vergessen ist die erinnerung an die wannsee- konferenz, in der die vernichtung der europäischen juden in entspannter atmosphäre genauestens geplant wurde.

a. eichmann berichtete bei seinem prozeß in israel, es sei heiter zugegangen, es sei getrunken worden. und viel gelacht.

dank gilt der kunstkirche bochum, an deren orgel aus den 1930ern  musik entstand.  das sopransaxophonsolo bei weiter tönender orgel am beginn des letzten drittel zitiert ganz sicher absichtlich das lied yerushalaim shel zahav, und es läßt uns erschauern.

so mitten beim erinnern. erst recht am grauenhaften ende.

das gehört dazu.

m.e.z.

link zum anhören: https://hearthis.at/markusemanuelzaja/wannsee-partie/

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EINE WEITERE LISTE UND DOPPELTES JUBILÄUM

liebe freund_innen der künste,

in der mitte der letzten woche war es soweit: seit 25 jahren musizieren guido grospietsch und ich selbst zusammen, mal mehr, mal etwas sparsam – vertrocknet, aber ein vierteljahrhundert ist nun: rum.

die neunziger waren tatsächlich noch einfacher für musikanten, jaja auch waren wir jünger. vorbei !

nicht vorbei ist ein anderes erinnern: vor 75 jahren starteten die deportationen der juden nach dem osten, aus gleis 17 des bahnhofs in berlin grunewald.

die von geflüchteten menschen aus dem westen ( ja auch die hugenotten mußten mal schnell abhauen …) und dem osten herstammenden freunde spielten einige werke in der kunstkirche bochum, genau zum datumstag. mitten im aufbau der neuen ausstellung von christoph lammert. danke für die entspannte situation !

die improvisation für stimme, altsaxophon und klarinette über die liste meiner vorfahren soll aus gründen des gedenkens hörbar sein.

noch ein detail: vor dem beginn der deportationen war die ausreise jüdischer deutscher verboten worden. und warum denn nicht mehr vorher „ausreisten“ ? …

…weil kaum ein zielland diese flüchtlinge aufnehmen wollte.

selber lesen: bericht in der jüdischen allgemeinen

die gedenkmusik hören sie hier:

g17-2

g17-1g17-3

DAS GROSSE ZELT

liebe freund_innen der künste,

erst vor kurzem kam der ruf, eine besondere musik zu erfinden. mit orgel, klarinette und saxophon.

jens j. meyer, schloß borbeck stipendiatenkollege seit urzeiten, installiert eine art chuppe in einer kirche. einer großen kirche. st. maria magdalena, in wattenscheid höntrop. chuppa magna ist der titel des werkes.

dort werden 100 jahre gemeindebestehen gefeiert. zurecht denken die menschen dort an viele weitere jahre.

heiratet denn da wer ? womöglich menschen, die frieden suchen, sich selber, oder ihre vorfahren, oder die hoffnung, daß ihre kinder bitte in frieden leben sollten. oder: wieso sind es segelartige tücher, und keine tallit, die da so kunstvoll verknüpft werden ?

ist das auch kunst, die vielleicht wegkann ? nein, sie bleibt.

oder weil sich alle lieb haben ? schön wärs.

oder weil die jüngeren der älteren geschwister gedenken ? schon eher.

ach sie verstehen das nicht ? macht nichts. ist ja keine rechnen-aufgabe.

m.e.z.

sonntag, 27. september, 19 uhr, st. maria magdalena, wattenscheider hellweg 91. 44867 bochum

Chuppa magna 02

Chuppa magna 03

Chuppa magna 04

KZRME

liebe freund_innen der künste,

kzrme logo klein

 

ist der name eines außergewöhnlichen duos. es tönen akkordeon und klarinette. gemeinsam und mal entgegengesetzt, so wie es im richtigen leben auch ist.

wie so was zusammenkommt ist nur in den augen der übelsten materialisten reiner zufall.

tatsächlich sind die wirkungsmechanismen der feinen geister subtiler: nachdem sich leute jahrelang nicht sahen, klappt die sache dann doch. ralf kaupenjohann, hier eher bekannt mit seinem ensemble DRAj, und markus emanuel zaja, drei jahrgänge unterwegs mit der legendären trinkhallen tour ruhr, wollten schon immer mal und telefonierten viel mit ihren anrufbeantwortern … und dann paßte es plötzlich.

mit den zungen reden ist nicht nur ziemlich pfingstlich, der wind weht auch durch die instrumente: zungenorgel, auch akkordeon genannt, und immerhin druckbetriebene klarinetten und saxophone lassen selbst die älteste notenspur in ganz neuem ton erklingen. die beiden kunstgestalten decken den europäischen siedlungsraum seit der römerzeit ab.

stammt der eine stolz aus den schönsten auen der ruhrmetropole, blickt der andere auf viele jahrhunderte polnisch-galizischer ahnen zurück. so empfängt der ureinwohner den migranten mit starkem ton und erntet zarten schall.

konzept und plan: dies sei der zukunft widerhall …

aktuelle CD aus dem zyklus „mijn levensreis“: 6032 32513

hörbeispiel „shtetl“: hier klicken.

wir danken sven thielmann für das foto.

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